Energiekrise, Bauteilknappheit – aktuelle Herausforderungen im industriellen Mittelstand

Seit Beginn der Corona-Pandemie kämpft die Elektronikindustrie mit einer zunehmenden Bauteilknappheit – die Preise klettern auf Rekordhöhe, die Lieferzeiten betragen bis zu zwei Jahre. Ein Ende ist nicht in Sicht. Im Gegenteil, politische Spannungen wie in der Ukraine und Taiwan verstärken die Situation. Hinzukommt die Energiekrise mit drohenden Lieferengpässen für Gas und Strom. Experten sagen verheerende Folgen für den industriellen Mittelstand voraus. Wie treffen uns die Krisen? Wie gehen wir mit den derzeitigen Herausforderungen um und worauf kommt es jetzt besonders an? Das klären wir im Interview mit Geschäftsführer Peter Heinen.
Mikrochip auf Platine

Inhaltsverzeichnis

Welche Auswirkungen hat die Bauteilknappheit auf unser Unternehmen?

„Die Auswirkungen sind extrem. Ein elektronisches Produkt beinhaltet 20 bis 150 verschiedene Bauteile, die von uns bestellt werden müssen. Wenn dann ein oder zwei Bauteile nicht beschafft werden können, ist das ganze Produkt gefährdet. Das ist eine große Herausforderung, die sich uns im Moment stellt.“

Verzeichnen wir dadurch einen Rückgang an Aufträgen?

„Nein, ganz im Gegenteil. Die Kunden sind gezwungen, langfristiger zu planen, um rechtzeitig beliefert zu werden. Dadurch haben wir bereits Aufträge bis ins Jahr 2024 im Haus.“

Von der Entwicklung über den Einkauf bis zur Fertigung – wie wirkt sich die anhaltende Bauteilkrise auf die einzelnen Abteilungen aus?

„Der Einkauf ist sehr schwierig geworden. Der Einkauf ist gezwungen, an vielen Stellen zu recherchieren, wo die Bauteile herkommen. Ständig gibt es Lieferterminverschiebung oder es wird von vornerein eine Lieferzeit von ein bis zwei Jahren angekündigt. Dazu kommen die Preiserhöhungen von Bauteilen. Somit ist unser Einkauf sehr stark damit beschäftigt, die optimalen Bedingungen zu finden und optimal einzukaufen.

Sollte ein Bauteil mal nicht verfügbar sein, muss der Einkauf bei der Entwicklung oder beim Kunden nach alternativen Entwicklungsmöglichkeiten fragen, um die Bauteile zu ersetzen. Gerade bei Neuentwicklungen muss geschaut werden, welche Bauteile gerade auf dem Markt verfügbar sind. Ist es z.B. notwendig, die Bauteile vor der Entwicklung zu beschaffen, damit diese am Ende der Elektronikentwicklung überhaupt noch verfügbar sind?

Flexible Elektronikentwicklung
Der optimierte Einkauf und die flexible Elektronikentwicklung spielen während der Bauteilkrise eine wichtige Rolle

Auch auf den Vertrieb hat die Krise große Auswirkungen. Der ist nun im ständigen Austausch mit unseren Kunden, um verschobene Liefertermine mitzuteilen oder auch um abzuklären, ob zu höheren Preisen eingekauft werden darf und ob der Kunde bereit ist, diese Mehrkosten zu tragen.

Abteilungsübergreifend ist die Bauteilkrise mit einem deutlich erhöhten Arbeitsaufwand verbunden.“

Welche Auswirkungen hat die Energiekrise auf HEINEN Elektronik?

„Unser Unternehmen ist nicht direkt davon betroffen. Wir nutzen Gas nicht als Prozessenergie, sondern lediglich als Heizenergie. Darum sind wir recht optimistisch, dass wir nicht allzu stark betroffen sein werden. Von den erhöhten Strompreisen sind wir schon eher betroffen, dabei geht es vor allem um Beleuchtung und einige strombetriebene Maschinen. Aber auch das ist keine existenzielle Bedrohung für uns.“

Wo liegt bei uns die derzeit größte Herausforderung?

„Die größte Herausforderung ist nach wie vor die Bauteilsituation, die uns in vielen Branchen und Bereichen trifft. Wir sind bemüht, möglichst langfristig und vorausplanend mit unseren Kunden zusammenzuarbeiten, um flexible und schnelle Lösungen zu finden.“

Worauf kommt es jetzt besonders an?

„Auf Flexibilität und die Möglichkeit, ausweichend andere Produkte fertigen zu können, um selbst keine Leerläufe in der Elektronikfertigung zu haben.“

Das Interview in voller Länge